Das Digitale Gründerzentrum Einstein1

Text: Dagmar Müller, Fotografie: Einstein1


Ein Biotop für findige Geister

Im Digitalen Gründerzentrum Einstein1 am Campus der Hochschule Hof werden Geschäftsideen der Zukunft ausgebrütet. Ende 2019 wurde der Neubau bezogen.

Als „business incubator“ oder einfach „Inkubator“ bezeichnet man ein Gründerzentrum auch. Ein Brutkasten also, in dem neue Geschäftsideen ausgebrütet werden. Ein Ort, an dem alles passt, damit diese anfangs noch kleinen, vielleicht zaghaften Ideen sich entwickeln, stark und flügge werden können. Genau das ist das Einstein1 für Hochfranken. Das Digitale Gründerzentrum am Campus der Hochschule Hof hat sich als Motor für Gründerkultur und Digitalisierung etabliert.

Seit 2017 sind Einstein1-Geschäftsführer Hermann Hohenberger und sein Team rastlose Berater, Förderer, Veranstalter und Netzwerker. Im Gespräch mit KARRIEREZIEL verrät der ehemalige Geschäftsführer Hermann Hohenberger, was er an der vielseitigen Tätigkeit im Gründerzentrum am liebsten mochte: „Am meisten Spaß macht es, neue Ideen kennenzulernen und Leute, die Ideen haben, miteinander ins Gespräch zu bringen – weil daraus etwas Drittes, Neues entstehen kann“, so der Gründerberater. „Vieles entwickelt sich erst im Austausch untereinander und durch die gegenseitige Inspiration.

Der 59-Jährige schwärmt: „Es ist toll, mit jungen Leuten zu tun zu haben, die gute Ideen haben und sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben.“ Er erzählt etwa vom Startup eversparked GmbH aus Hof, das mit der Idee begann, eine Plattform zum Erlernen von Programmiersprachen zu bieten, und diese zu mathekoenig.com, einer Plattform zum Mathematiklernen, weiterentwickelt hat. Oder von PitchYou, der Idee der SBB Software und Beratung GmbH aus Naila: „Eigentlich ein klassischer Software-Entwickler, der mit PitchYou allerdings ein Online-Recruiting-Tool für die Personalsuche via WhatsApp entwickelt hat.“

„Es ist immer schön, mit jungen Leuten zu tun zu haben, weil sie gute Ideen haben und sich nicht mit dem Status quo zufrieden-geben.“

Die Aufgabe der Gründercoaches ist es, solche Gründungsideen weiter zu begleiten und zu inspirieren. „Da finden Metamorphosen statt. Ideen werden verfeinert oder erweitert“, beschreibt Hermann Hohenberger den Prozess. „Und das entsteht eben sehr stark auch im Austausch der Gründer untereinander. Dafür wollen wir das ideale Umfeld bieten.“

Das Einstein1 ist die Anlaufstelle für Gründer und Startups aus Hochfranken und dem Vogtlandkreis.

Das Einstein1 ist eines von insgesamt 19 Digitalen Gründerzentren, die seit 2016 im Rahmen der Initiative „Gründerland Bayern“ an 27 Standorten im Freistaat eingerichtet wurden. Jeder Regierungsbezirk erhält mindestens zwei Gründerzentren. Ziel ist es, vor Ort ein Ökosystem zu schaffen, das Gründerkultur und Unternehmertum fördert.

Neben den Services und Events in den eigenen Räumen in Hof bietet das Einstein1 auch Veranstaltungen in ganz Hochfranken und im Vogtlandkreis an. Während der Corona-Pandemie laufen viele Aktivitäten online.

Am 1. April 2017 beginnt Hermann Hohenberger als Geschäftsführer und das Gründerzentrum nimmt den operativen Betrieb auf – zunächst noch in Räumen der Hochschule Hof. Das Team berät Gründer und führt Veranstaltungen durch, parallel dazu wird das eigene neue Gebäude am Campus Hof entwickelt und gebaut. Nach zwölf Monaten Planung rollen im Juni 2018 die Bagger.

Im November 2019 wird der Neubau an der Albert-Einstein-Straße 1 in Hof, der 5,2 Millionen Euro gekostet hat, bezogen. Die inneren Werte des Gebäudes: Startup-Büros, Coworking Bereich, Konferenz- und Seminarräume, Event Space, aber auch Ruheoasen und ein kleiner Fitnessraum zum Energietanken. Von außen setzt die illuminierte Fassade ein weithin sichtbares Zeichen.

„Im Hinterkopf ist immer der Netzwerkgedanke.“

Entsprechend haben auch die Veranstaltungen, die das Einstein1 durchführt, immer mehrere Aspekte: Zum einen stellen sie ein Informationsangebot dar und dienen der Wissensvermittlung. Zum anderen geht es um das gegenseitige Kennenlernen und Vernetzen. „Im Hinterkopf ist immer auch der Netzwerkgedanke“, so Hermann Hohenberger. „Auch wir vom Gründerzentrum möchten die Menschen kennenlernen, die sich hier in der Region für Gründung und Digitalisierung interessieren. Wir sprechen sie dann an und laden sie wieder ein.“ Inzwischen wurden Netzwerke etabliert, die sich regelmäßig zu themenbezogenen Events treffen, wie der Digital Tribe für Digitalisierungsexperten und solche, die es werden wollen, oder die E-Commerce Meetups, in denen Betreiber von Online-Shops Informationen über Online-Marketing, Bezahlsysteme, Rechtliches etc. bekommen.

Manche der Themen, zu denen das Einstein1 Infoevents oder Workshops anbietet, scheinen auf den ersten Blick nichts mit Gründung zu tun zu haben. Wenn zum Beispiel alteingesessenen Einzelhändlern im Workshop Google My Business nähergebracht wird, wie sie ihre Google-Einträge optimieren. Doch Hohenberger erklärt: „Es geht es auch um potenzielle Gründer. Auch die Gründung einer neuen Abteilung oder eben eines Onlineshops ist als Gründung zu verstehen.“ Wer dann verstärkt in das Thema E-Commerce und Online-Handel einsteigen möchte, kann an den regelmäßigen E-Commerce Meetups des Einstein1 teilnehmen, sich dort über aktuelle Entwicklungen informieren und mit Gleichgesinnten austauschen.

„Wir können Inspiration sein.“

Seminarraum: Hell, großzügig, freundlich, wie alles im Hofer Gründerzentrum.

Das Kerngeschäft des Einstein1 bleiben die Beratung und Hilfestellung für konkrete Gründungsideen. Gründer sind Experten auf ihrem Fachgebiet. Damit beschäftigen sie sich oft seit Jahren intensiv. Keine Experten sind sie, wenn es um Fragen der Finanzierung, der Unternehmensentwicklung, Teambuilding oder um rechtliche Aspekte geht. Da steht das Gründerzentrum mit Rat und Tat zur Seite.

Hermann Hohenberger erzählt von Ahearo, einer Gründung von Johannes Garbarek, der damit jüngst für den deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start-up nominiert wurde. Seine Geschäftsidee ahearo.com wird auch als „erster digitaler Audio-Kiosk Deutschlands“ bezeichnet und ist eine Audio-Plattform mit mobiler App und Streamingdienst, die es Nutzern ermöglicht, zum Beispiel Zeitschriftenartikel in Hörbuch-Qualität anzuhören. Johannes Garbarek hat nicht nur seine Idee zusammen mit Hohenbergers Team weiterentwickelt und verfeinert, sondern ist auch Mieter eines der Gründerbüros im Hofer Gründerzentrum.

Das trifft auch auf Gründer Dr. Andy Gradel zu. Er forscht an der Hochschule Hof, hat im Laufe seiner Promotion eine Geschäftsidee entwickelt und Anfang 2021 die BtX energy GmbH gegründet. „Da ist es genau so gelaufen, wie wir es uns wünschen: Das Projekt vereint Gründung, Forschung, die Hochschule und regionale Partner. Eine Win-Win-Win-Win-Situation also“, freut sich Hermann Hohenberger. „Da ist die Idealvorstellung, wie ein Projekt am Einstein1 sein sollte, quasi schon übererfüllt.“ Dr. Andy Gradel ist gelernter Maschinenbauer und war bereits als Doktorand wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wasser- und Energiemanagement der Hochschule Hof. In seinen Studien beschäftigte er sich seit 2016 mit der Frage, wie aus Biomasse saubere Energie und Wärme gewonnen werden können. Dem 30-Jährigen gelang die Entwicklung eines neuartigen Holzvergasers. Diese Technik möchte der gebürtige Bayreuther nun zusammen mit Geschäftspartnern aus Forschung und Industrie auf den Markt bringen.

Gründer Dr. Andy Gradel (zweiter v.l.) mit Vertretern der BtX energy GmbH und der Hochschule Hof.

„Es gibt gute Gründer in unserer Region.“

„Unsere Region ist klassisch industriegeprägt – Maschinenbau, Automotive, Kunststoff, Textil“, sagt Hermann Hohenberger. „Hochfranken hat nicht die typische ‚Gründungsszene‘ wie die Metropolen München, Berlin, Hamburg.“ Er stelle allerdings immer wieder fest, dass unterschätzt wird, was die Mitarbeiter der hochfränkischen Unternehmen in ihren Jobs leisten. Hier schlummere viel Potenzial, das genutzt werden sollte. „Auch hier gibt es in den Unternehmen, etwa bei REHAU, Sandler oder LAMILUX, viele junge Leute, die beruflich weltweit unterwegs sind, um Produkte zu verkaufen, Technik zu installieren oder Werke aufzubauen. Dort lernen sie neue Ideen kennen und bringen sie mit in die Region.“ Auch solche Akteure will Hermann Hohenberger mit Gründern vernetzen. Denn er stellt immer wieder fest: „Es gibt gute Gründer in unserer Region, die man ein Stück weit inspirieren muss.“

Im Coworking-Bereich stehen 30 moderne Arbeitsplätze für Gründer zur Verfügung.