BAD STEBEN – ZWISCHEN HÖLLENTAL UND WELLNESSHIMMEL

Text: Claudia Plaum


Das am höchsten und am nördlichsten gelegene bayerische Staatsbad hat nur 3.400 Einwohner. Die Besucherzahlen toppen das aber um ein Vielfaches: Mehr als 90.000 Privat- und 190.000 Klinikgäste konnte das aufstrebende Bad 2019 begrüßen. Bad Steben wurde bereits 1832 der Titel „Königlich Bayerisches Staatsbad“ verliehen, heute schmückt es sich zum dritten Mal in Folge mit dem vom Magazin FOCUS Gesundheit verliehenen Siegel „Top Kurort“. Leo von Klenze, Hofbaumeister Ludwig I. von Bayern, entwarf um 1910 das elegante Badehaus, das auch heute noch die architektonische Attraktion des Staatsbades ist. Alle zwei Jahre im Juni (2021 wieder) ist der Kurpark im Juni Kulisse für das opulente Biedermeierfest, wo edel mit Schutenhut und Vatermörderkragen gekleidete Damen und Herren lustwandeln.

Hammerkeulenärmel, Reifrock und Sonnenschirmchen, Zylinder und Gehrock: Biedermeierfest im Kurpark in Bad Steben.
© Bayerisches Staatsbad Bad Steben GmbH

Die Spielbank − Bayerns neunte − wurde vom namhaften Architekten Meinhard von Gerkan entworfen und 2001 eröffnet. Ihre nächtliche Illumination zieht Glückssucher magisch an: Die Spielbank ist Bühne, Kabarett, Bar, Restaurant und natürlich auch Casino. Entspanntes Networking mit Live-Musik im Spielsaal während des Spielbetriebes gibt es am zweiten Mittwoch im Monat bei After Work LIVE. Donnerstags ist „Ladies Night“ im Casino. Am Montag stehen am Männerabend die Herren im Mittelpunkt. Roulette, Black Jack oder Poker laden zu Nervenkitzel und – mit ein wenig Glück − zu Gewinnen ein. Wohlfühlen ist die Hauptsache. „Unsere Gäste loben die familiäre Atmosphäre“, berichtet Spielbankdirektor Udo Braunersreuther. „Mit unserer besonderen Architektur, Ausstattung und unserem modernen Konzept sehen wir uns als ‚Spielbank der Zukunft‘. Wir sind die einzige Spielbank in Bayern, die mit regelmäßigen Veranstaltungen im Spielsaal Unterhaltung und Glücksspiel kombiniert.“

Bad Steben ist der einzige Kurort in Deutschland, der die Heilmittelkombination aus schmerzlinderndem Radon, wärmendem Naturmoor und natürlicher Kohlensäure anbietet. Verschiedene Heilwässer sprudeln aus Tempel-, Wiesen- und Max-Marien-Quelle. Der Dichter Jean Paul (1763-1824), zu seiner Zeit berühmter als Goethe, war ein echter Fan Stebens. „In der Mitte von Lilienbad steht der medizinische Springbrunnen, aus dem man die aus der Erde quellende Apotheke schöpft!“ schreibt der Meister im dritten Teil von „Die unsichtbare Loge“. Unter dem Pseudonym „Lilien-bad“ bekam Bad Steben einen Platz in der Weltliteratur.

Der Kurort spielt mit Kontrasten und gewinnt. Die Therme verbindet als modernes Bauwerk im historischen Kurpark Gestern und Heute und nimmt mit natürlichen Materialien – Schiefer, Holz, Quarzit – Bezug zur Natur des Frankenwaldes. Verdient wurde sie mit dem „TouriSpo-Award“ des gleichnamigen Reise- und Freizeitportals ausgezeichnet und zählt zu den zehn schönsten Thermen in Deutschland. Weiches Wasser, wohltuende Wärme, Moor, Sole, entspannende Klänge und Düfte – hier geht die Entspannung ganz tief. Im Sky-Pool fühlt man sich dem Himmel nah, die Grenze zwischen Gebäude und Horizont verschwimmt.

Kati Meyer-Brühl steht als Creative Director des Familienunternehmens brühl (Vater Roland Meyer-Brühl und seine drei Kinder Kati, Renz und Anna) im Bad Stebener Ortsteil Carlsgrün für ganz besondere Möbel. Ihre Entwürfe gewinnen einen Design-Award nach dem anderen. Mittlerweile sind es deutlich mehr als 100, vom Designpreis der Bundesrepublik Deutschland bis hin zum Green Good Design Award des Chicago Athenaeum. Mal dekorativ, in geometrischer Klarheit oder ganz elegant präsentieren sich die brühl-Möbel. Sie sind zum einen Lebensbegleiter, denen die Zeit nichts anhaben kann, zum anderen Solitäre, die Orte oder Räume in Szene setzen. Das Unternehmen legt Wert darauf, seine langlebigen Möbel ressourcenschonend herzustellen: 2019 erhielt brühl als erster Polstermöbelhersteller den „Blauen Engel“, der für die Einhaltung neuester Umweltkriterien steht. Schon 1994, als Nachhaltigkeit noch nicht in aller Munde war, konnten brühl-Kunden ihren Sofabezugstoff austauschen und damit die Produktlebensdauer verlängern. Möglich sei das aufgrund der in sich gegründeten Form der Sofas, erklärt Geschäftsführer Roland Meyer-Brühl. Die Gebäude des Unternehmens fügen sich wunderbar in die Landschaft des Frankenwaldes ein, die Produktionsräume sind lichtdurchflutet, lassen auch von innen den Blickkontakt zur umgebenden Natur zu. In unmittelbarer Nähe setzt der neue Showroom für Handelspartner, die Studio Gallery, in einem ehemaligen Werksgebäude auf Kontraste: Historische Industriearchitektur beherbergt moderne Möbel-Entwürfe. Im Ortskern von Bad Steben findet man die aufwändig sanierte Ausstellungsvilla „Haus an der Peunte“. Roland Meyer-Brühl: „Unsere Unternehmensgäste aus aller Welt genießen das Spannungsfeld unserer modernen Möbel im Kontrast zur Ruhe und Natur des Frankenwaldes.“

Kurhaus in Bad Steben in arrangierter Blütenpracht
© Reinhard Feldrapp

Bad Steben profitiert von der Spannung, dem Zusammenspiel gegensätzlicher Baustile. Für den Besuch des Grafikmuseums Stiftung Schreiner im Kurhaus und im Foyer des Klenzebaus mit seiner Sammlung zeitgenössischer Grafik und museumseigener Druckwerkstatt sollte man etwas Zeit einplanen. Der in Museums-nähe startende Skulpturenpfad mit Werken aus gesägter Eiche, geformtem Aluminium und geschweißtem Stahl holt die Kunst ins Freie. Auf dem geologisch-bergbaukundlichen Lehrpfad hingegen erfährt man viel über Bergbau und Geologie und den großen Sohn der Stadt: 1793 eröffnete Alexander von Humboldt die Bergschule zu Steben. Ein Juwel Bad Stebens ist die evangelische Lutherkirche, 1910 von Richard Neidhardt erbaut. Mit der Ulmer Pauluskirche ist sie eine der beiden ersten Kirchen in Deutschland, bei denen mit Eisenbeton im Sichtbereich gearbeitet wurde. Die Jugendstilornamentik an den Kassettendecken und den Pfeilern ist ausgesprochen sehenswert. In direkter Nachbarschaft thront die Vorgängerin, die 1020 erbaute Wehrkirche St. Walburga, auch ihre Seccomalereien sind einen Besuch wert.

Wehkirche Bad Steben
© Reinhard Feldrapp

Vier Jahrzehnte lang trennte die Mauer nicht nur die Menschen voneinander, sondern durchschnitten Beton und Stacheldraht auch die Natur unmittelbar nördlich von Bad Steben. Heute ist diese Nahtstelle mit ihrem früheren Patrouillenweg der DDR-Grenztruppen ein Nationales Naturerbe Deutschlands: Das Grüne Band. Hier sind einzigartige Naturerlebnisse auf den Spuren der Geschichte möglich. Der Wandertourismus hat neben dem Kur- und Wellness-betrieb einen großen Stellenwert für Bad Steben. Darüber hinaus blickt Bürgermeister Bert Horn dem Bau der Hängebrücken im nahen Höllental erwartungsfroh entgegen: „Ich sehe die Entwicklung um die Frankenwald-Brücken sehr positiv. Mit ihrem Spiel aus moderner Architektur und herrlicher Natur werden sie Bad Steben touristisch noch attraktiver machen!“