99 HIGHLIGHTS in Hochfranken

Text von Lena Bösel


Hochfranken ist ein Kaleidoskop. Der hellblaue Himmel über Selb, die klar fließende Saale in Hof, der dunkelblaue Spiegel des Weißenstädter Sees, die tiefgrünen Wälder um Bad Steben, die strahlend gelbe Arnika im Frankenwald, der weiße Siebenstern im Fichtelgebirge, der glitzernde Granit auf dem Waldstein, leuchtend rot und tiefschwarz gedeckte Dächer, bunte Kirchenfenster, weißes Porzellan, perfekt gebräunte Bratwürste, goldenes Bier.


Hochfranken ist voller Highlights, 99 zählt
unser Reiseführer, hier sind als kleiner
Einblick drei davon.

Das Dach des Fichtelgebirges
DER SCHNEEBERG

Der Schneeberg ist mit 1.051m ü. NN der höchste Berg des Fichtelgebirges und gleichzeitig der höchste Berg Frankens. Im einzigartigen Panorama des Mittelgebirges sticht charakteristisch der gedrungene Turm hoch oben auf dem Granitberg sofort ins Auge, sodass beinahe jedes hochfränkische Kind den Berg benennen kann. Der Schneeberg ist ein Berg zum in-sich-Gehen und Entspannen. Sowohl im Sommer als auch im Winter verzaubert er mit verschlungenen Wanderwegen mitten durch Wald und Natur. Nur eine einzige asphaltierte Straße führt hinauf und erinnert an den Kalten Krieg – denn oben auf dem Gipfel thront der ehemalige Fernmeldeturm der Bundeswehr, der heute Mahnmal ist. Auf den Gipfel, den Granitblockmeer und Felsburg prägen, lockt das 2017 neu errichtete Backöfele die Wanderer. Um den Schneeberg ranken sich reichlich Geschichten, die zu erzählen den Aufstieg verkürzt. Wer lieber in Gedanken versunken und schweigend den Gipfel erklimmt, könnte hingegen Glück haben und einen Auerhahn aus einer der letzten deutschen nicht alpinen Auerwildpopulationen zu Gesicht bekommen oder erhascht gar einen Blick auf einen Luchs – oder zumindest seine Fährte.

© Lena Bösel

Ein Hooch aufs Wasser
DAS BRUNNENFEST
IN WUNSIEDEL

Schon seit Jahrhunderten schmücken die Wunsiedler für ihr Brunnenfest die über dreißig Brunnen der Stadt. Über den Ursprung des Festes gibt es verschiedene Geschichten – die historische Variante sagt, die Röhrenbrunnen der Stadt hätten eines Tages abgeschafft werden sollen, wogegen sich die Stadtbewohner erfolgreich wehrten. Die Sage sagt, die Wunsiedler hätten nach einer langen Trockenheit und versiegenden Brunnen die Rückkehr des Wassers zelebriert, indem sie die Brunnen mit Blumenkränzen schmückten. So oder so – Wunsiedel ist bis heute „Stadt der Brunnen“ und feiert seine zahlreichen Wasserspender immer am Wochenende vor Johanni. Wurden die Brunnen früher ausschließlich mit Blumen und Kränzen geschmückt, sind heute der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Jeder Verein und jede Schule setzt ein Thema um, mal extravagant, mal klassisch. Kleine Gassen und Plätze werden zum Schauplatz von Geselligkeit und unbeschwerter Feierlaune und zum Ort des gemeinsamen Essens und Trinkens. Ortsansässige Musiker präsentieren ihr Können auf kleinen Bühnen, in Kneipen und Gaststätten oder ziehen von Brunnen zu Brunnen. Wenn Restaurantbesitzer Tische und Stühle auf die Straßen tragen, Besucher aus allen Himmelsrichtungen in die Stadt strömen und Menschen über Brunnen diskutieren – dann ist in Wunsiedel Brunnenfest.

© Stadt Wunsiedel

Industriegeschichte mit Goldrand
DAS PORZELLANIKON

Wer zurückreisen möchte in die industrielle Hochzeit des Porzellans, muss das Porzellanikon besuchen – Europas größtes Spezialmuseum für Porzellan hat zwei Standorte: in Selb und Hohenberg an der Eger. Wo heute verlassene Fabrikgebäude und hohe Schlote an die Blütezeit der Porzellanherstellung erinnern, herrschte früher rund um die Uhr reges Treiben. In Selb, dem Herzen der deutschen Porzellanindustrie, sitzt das Porzellanikon in den 1969 stillgelegten Fabrikgebäuden von Rosenthal. Wie Porzellan entsteht und wie Rosenthal zur Weltmarke wurde, lässt sich hier hautnah verfolgen. Auch in Hohenberg an der Eger tauchen die Besucher in die Welt der Porzellanformen und -dekore ein. Sonderausstellungen zeigen Teile der 250.000 Sammlungsobjekte des Porzellanikons unter verschiedenen Gesichtspunkten. Selb oder Hohenberg an der Eger: Dem Bann des Porzellans, des Respekts vor dem Können der Porzelliner und der Faszination des heutigen High-Tech-Werkstoffs kann sich kein Porzellanikon-Besucher entziehen.

© Florian Miedl