Vit vat hoch, schäi war's doch!

Das Selber Wiesenfest


In Selb gibt’s einen Kalender, der von Mitte Juli bis Mitte Juli die Tage bis zum nächsten Wiesenfest rückwärts zählt. Dahinter steckt nicht die lustige Idee eines Kalenderverlags. Selb lebt und denkt tatsächlich von Wiesenfest zu Wiesenfest. Es ist nicht unüblich, mehrere Elternabende anzuberaumen, bis man sich darauf verständigt hat, wie sich die Mädels und Jungs einer Schulkasse zum Wiesenfestumzug kleiden. Von noch größerer Tragweite ist die Benennung des Fahnenträgers, der – ganz in Weiß, Hut und Handschuhe inklusive – die Klasse zum Festgelände auf dem Goldberg führt. Zu einem wunderschönen Park mit alten Kastanienbäumen, in dem Fahrgeschäfte und ein Bierzelt für 5000 Menschen aufgebaut werden. Was die Kinder dort machen, mag in Zeiten spektakulärer Games befremdlich wirken: Sie tanzen Reigen, kegeln und spielen Hahnenschlagen. Ohne Kinder würde es das Selber Wiesenfest womöglich gar nicht geben, denn zur Eröffnung eines Lehr-Obstgartens für den Unterricht in gesunder Ernährung wurde 1807 zum ersten Mal gefeiert. Über 200 Jahre später ist das Wiesenfest der Pflichttermin für Selber, Ex-Selber und Freunde Selbs aus der ganzen Welt. Wer mit Selbern über ihr Wiesenfest spricht, wird merken, wie ernst es ihnen damit ist. Die Frage, was es besonders macht, stellt sich nicht – es ist besonders. Ein Fremder kann das Selber Wiesenfest genießen – das geht gut, es macht richtig Spaß. Man sollte aber nicht allzu ambitioniert versuchen, den Mythos zu entschlüsseln. Denn den wahren Wiesenfest-Code tragen die Selber in ihrer DNA.
Mit einem gemeinsamen Ruf beenden die Selber Schulkinder am Abend des Wiesenfestmontags traditionell das Fest und lassen dazu tausende Luftballons in den Selber Abendhimmel steigen: „Vit vat hoch, schäi war’s doch! Vit vat nieda, nächstes Goua kumma wieda!“. Nach diesem offiziellen Abschluss auf dem Marktplatz geht’s aber noch mal zum Feiern auf den Goldberg.

Text: Götz Gemeinhardt, Foto: Stadt Selb

www.selb.de
www.goldbergkult.de

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